Vorwort des Gemeindepräsidenten
Das Jahr 2025 war geprägt von tiefgreifenden geopolitischen Verschiebungen, die Europa und die internationale Ordnung auch weiterhin vor grosse Herausforderungen stellen. Die anhaltenden Konflikte an den Rändern Europas, neue sicherheitspolitische Spannungen sowie die zunehmende Fragmentierung der globalen Machtverhältnisse verdeutlichen, wie instabil und angreifbar die bisherigen politischen und wirtschaftlichen Gleichgewichte geworden sind. Gleichzeitig steht Europa unter Druck, seine demokratischen Werte und die wirtschaftliche Stärke in einer sich rasch wandelnden Welt zu behaupten.
Diese Entwicklungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz, und somit die Gemeinden. Als offene und vernetzte Volkswirtschaft spürt letztlich auch eine Gemeinde wie Thalwil die Folgen globaler Unsicherheiten – sei es durch volatile Märkte, steigende Anforderungen an die öffentliche Hand oder zunehmende Erwartungen der Bevölkerung. Insbesondere auf kommunaler Ebene zeigt es sich stärker denn je, wie wichtig Stabilität, Verlässlichkeit und verantwortungsvolles politisches Handeln sind. Der Thalwiler Gemeinderat begegnet diesen Herausforderungen mit Weitsicht und Zuversicht – immer mit dem Ziel, auch in einem anspruchsvollen politischen und wirtschaftlichen Umfeld nachhaltige Perspektiven zu schaffen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die hohe Lebensqualität in Thalwil für die heutige und kommende Generation zu sichern.
Der Thalwiler Gemeinderat hat sich in der laufenden Legislatur als gut funktionierendes Gremium etabliert und auch im Berichtsjahr die Weiterentwicklung von Thalwil mit grossem Engagement vorangetrieben und dabei zahlreiche, teils anspruchsvolle Geschäfte behandelt.
2025 stand für die Thawiler Exekutive die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum einmal mehr ganz oben auf der Prioritätenliste. Umso erfreulicher war es, als die Thalwiler Stimmberechtigten Ende September an der Urne den Grundstein für den geplanten Neubau einer Überbauung mit 58 Wohnungen auf dem Areal «Breiteli Nord» legten. Das Projekt wird die Gemeinde als Bauherrin selber umsetzen und so preisgünstigen Wohnraum für Familien, ältere Menschen und Einzelpersonen schaffen. Doch auch die Gotthardstrasse und der Centralplatz blieben 2025 Mittelpunkt der gemeinderätlichen Planungen: Um das Ziel voranzutreiben, den Centralplatz als Bühne und lebendigen Begegnungsort des Thalwiler Dorflebens zu etablieren, startete im Juni die Veranstaltungsreihe «CENTRALPLATZ – The Place To Be».
Ein anschauliches Beispiel gelebter Demokratie bot im vergangenen Jahr die Debatte rund um die Abstimmung über die Totalrevision der Betreuungsverordnung sowie zu den damit verbundenen Anpassungen der bisherigen Horttarife. Der demokratische Prozess führte in diesem kontrovers diskutierten Geschäft zu einer tragfähigen Lösung: An der Gemeindeversammlung im Dezember folgte einer Mehrheit der anwesenden Stimmbevölkerung einem Parteiantrag. Letztlich konnte die Betreuungsverordnung festgesetzt werden – während der Gemeinderat von den Stimmberechtigten damit beauftragt wurde, das Gebührenreglement teilzurevidieren und die Tarife dem Antrag folgend per Schuljahr 2026/27 anzupassen.
Ebenso war 2025 die Thalwiler Bevölkerung eingeladen, sich aktiv in zentrale Entwicklungsprozesse einzubringen. Im Rahmen der laufenden Gesamtrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) wurde im Mai die öffentliche Auflage eröffnet – und damit das 60-tägige Mitwirkungsverfahren gestartet. Die zahlreichen Anregungen und Einwendungen aus der Bevölkerung fanden Eingang in die Ausarbeitung der neuen BZO, die im Sommer 2026 den Stimmberechtigten zur Abstimmung vorgelegt wird.
Ebenfalls auf Anregung der Thalwiler Bevölkerung, in Form einer im Februar eingereichten Petition, stellte sich der Gemeinderat im März geschlossen hinter die Forderung, die Fussgängerstreifen an der Gotthardstrasse, trotz neuer Tempo-30-Zone, zu erhalten. Mit Nachdruck setzte sich der Gemeinderat gegenüber der Kantonspolizei Zürich für deren Erhalt und damit für die Verkehrssicherheit – insbesondere für Schulkinder – ein. Dieses Engagement zeigte Wirkung: Die Fussgängerstreifen wurden im August, entgegen der ursprünglichen UVEK-Verordnung, vom Kanton genehmigt.
Auch die junge Thalwiler Generation zeigte sich im Berichtsjahr engagiert: Im Januar konnte die neue Beleuchtung der Pumptrackanlage im Brand in Betrieb genommen werden. Die Gemeinde realisierte damit ein Anliegen eines damals 14-jährigen Petitionärs, der sich mit der geforderten Beleuchtung für mehr Sicherheit beim Befahren der Anlage in den dunkleren Jahreszeiten eingesetzt hatte. Ebenso liess der Gemeinderat im Juli 2025 beim Schulhaus Oelwiese ein Sonnensegel installieren. Damit folgte er dem Anliegen einer Thalwiler Mittelstufenschülerin, die eigenhändig 138 Unterschriften gesammelt und im Vorfeld eine entsprechende Petition beim Gemeinderat eingereicht hatte.
Die Erfahrungen des vergangenen Jahres 2025 zeigen eindrücklich: Demokratie lohnt sich, insbesondere wenn die Bevölkerung aktiv daran teilnimmt. Jede Stimme, jede Anregung und jede Debatte trägt dazu bei, dass Entscheidungen tragfähig, nachvollziehbar und mehrheitsfähig werden – und bleiben. Die Gemeinde Thalwil wird auch künftig konsequent an diesen Werten festhalten, den Austausch und den Dialog mit der Thalwiler Bevölkerung pflegen und deren Mitwirkung als zentralen Bestandteil einer lebendigen Gemeinschaft fördern. So bleibt Demokratie nicht nur ein formaler Prozess, sondern gelebte Grundlage für ein zukunftsfähiges, stabiles und solidarisches Thalwil.
Herzlich,

Hansruedi Kölliker
Gemeindepräsident